Warum hier "Das Beste von Harald Martenstein"?

Mir ist es nicht gegeben in dieser Art und Weise, wie es Harald Martenstein schafft, zu aktuellen Themen die passende Geschichte zu schreiben, die in gekonnter Manier überzeichnet oder "auf die Schippe nimmt" und uns unsere IRRWITZIGE WELT nahe bringt und auch als Spiegel vorhält.

Harald Martenstein gelingt es unter anderem den schon irrwitzigen Mainstream grünen Gedankenschlechts* bloßzustellen.
* Das Gegenteil von Gedankengut

Beispiel:
Wenn man dazu übergeht Kinderbücher umzuschreiben, dann beginnen wir unsere Vergangenheit zu leugnen und zu verfälschen. War das nicht schon mal so? Geschieht das nicht immer wieder? In unserer aufgeklärten Zeit!!! Sind wir etwa nicht aufgeklärt??? Sind wir noch klar im Kopf uns solches gefallen zu lassen??????

Dazu ein Spruch von mir vom 22.04.2013:
Wer sagt, dass "Neger" ein Schimpfwort oder Unwort ist und sich darüber entrüstet,
der schafft Probleme, wo vorher keine waren –
für ALLE – für Neger und Nicht-Neger.


Siehe zu diesem Thema auch die Nr. 305: "Der Gleichmachungswahn / Gleichstellungswahn"

Hierzu möchte ich auf meine Gedanken zum Thema "DENKEN" und "Denken können" verweisen.

Da die wenigsten Menschen DENKEN können - so meine gefestigte Meinung - aus diesem Grunde wundere ich mich nicht mehr über diesen IRRSINN und SCHWACHSINN, den Menschen produzieren und dem Menschen erliegen.

Nur ein kleines und einfaches Beispiel für uns Menschen:
Diese Welt mit den Menschen und deren abartigem Verhalten, wie Fressen, Saufen, Lügen, Missbrauchen bis hin zum Töten und Morden, diese Welt mit diesen Irrsinn wird dann auch noch tagtäglich und vorrangig im Fernsehen (zur Nachahmung?) gezeigt.
Einschub: Warum nicht Poistives zeigen, damit dies zur Nachahmung dient?
Wer sieht sich diesen Schwachsinn an, wie z. Bsp. Krimis?
Da versucht man uns Menschen unser eigenes, abartiges Verhalten auch noch als Unterhaltung unterzujubeln.
Das funktioniert prächtig mit dieser tumben* Masse Mensch.
* tumb = bieder, einfältig, hinterwäldlerisch, naiv, töricht, unbedarft, dumm

Toll, auch nicht darüber nachgedacht, was man mit uns treibt!??????

Toll, wie wir uns - gedankenlos - treiben lassen in solch einem Maintream!

Und die Schauspieler in Krimis sind hochgeachtet in unsere Gesellschaft!
Was für eine irrsinnnige, verkehrte Welt.


Nur ein kleines und einfaches Beispiel für die "intellektuellen Menschen":
Diese Welt mit Ihren gescheiten Menschen, die mit den Begriffen "Würde", "Intelligenz", "Bewusstsein" und "Erkenntnis" tagtäglich hantieren, sind sich noch nicht mal im Ansatz bewusst, was sie da von sich geben.
Häufig basierend auf - in jungen Jahren - Gelerntem, von sogenannten bedeutenden Philosophen, wie Immanuel Kant.
Dieser Immanuel Kant, der den totalen Schwachsinn verzapfte, und den ich dafür verantwortlich mache, dass heutzutage kaum ein Mensch etwas mit der Philosophie anfangen kann. Auch die Philosophen sind sich uneins den Begriff "Philosophie" eindeutig zu deffinieren.
Auch hier gebe ich Immanuel Kant einen Hauptteil der Schuld, dass dem so ist.

Wer sich hier angegriffen fühlt und meint, dass dem nicht so ist, der lese die Nr. 237 "Kant-Versteher sind Verstehenmüsser".

Die Nr. 237 ist noch moderat. Wer es noch nicht verstanden hat, der lese die Nr. 206 "Immanuel Kant, ein irrer Wirrer".

Wem das immer noch nicht reicht - hier die Härte 10 aus 'Physische Geographie' (Königsberg 1802) § 2:
1. Die Neger werden weiß geboren, außer ihren Zeugungsgliedern und einem Ringe um den Nabel, die schwarz sind. Von diesen Theilen aus ziehet sich die Schwärze im ersten Monate über den ganzen Körper.
2. Wenn ein Neger sich verbrennt, so wird die Stelle weiß. Auch lang anhaltende Krankheiten, machen die Neger ziemlich weiß .....

(Diese Härte 10 ist von mir eher für die "einfachen Menschen" gedacht, um aufzuzeigen, wie gescheit die "Gescheiten Menschen" sind.)

Damit habe ich letztendlich alle gegen mich aufgebracht - und das hat einen triftigen Grund: Fangt an zu Denken!!!!



Nun aber endlich zu Harald Martenstein
Seine beiden letzten Kolumnen vom 14.03. und 21.03.2013 sind die Besten, die ich jemals gelesen habe.
Er wird immmer besser. Weitere werden - evtl. - folgen.

Meinen außerordentlichen Dank an Harald Martenstein für seine Art zu schreiben.


Über öffentliche Toiletten für Männer, Frauen ....

Über öffentliche Toiletten für Männer, Frauen und andere

vom 14.03.2103

In Berlin-Kreuzberg sollen jetzt neben den Toiletten für Männer und Frauen auch öffentliche Toiletten für Menschen eingerichtet werden, die sich weder als Mann noch als Frau fühlen, also die Inter- und die Transsexuellen. Diese Maßnahme wurde auf Antrag der Piratenpartei von der SPD, den Grünen und den Linken im Bezirksparlament beschlossen. In den neuen Toiletten sollen sich neuartige Urinale befinden. Jedes Urinal wird mit einer Box umgeben, damit niemand sehen kann, was da im Einzelnen ausgepackt wird. Mir ist klar, dass Inter- und Transsexuelle sich in einer schwierigen Situation befinden und dass solche Menschen Anspruch auf Respekt und Toleranz haben. Warum man deswegen Toiletten umbauen muss, ist mir hingegen unklar.

Kann solch ein Mensch nicht einfach in die Toilette hineingehen, die seinem äußeren Erscheinungsbild am ehesten entspricht, dort eine Zelle betreten, abschließen und auf die ihm oder ihr gemäße Weise sein oder ihr Geschäft verrichten? Im Sitzen? Das ist doch gar nicht so schlimm, wenn man dabei sitzen muss. Bei mir ist es so: Ich bin, rein äußerlich, Mann. Wenn die Männertoilette kaputt war, bin ich immer auf der Frauentoilette gewesen. Ich darf sagen, dass die Frauen mir dort stets mit Respekt und Toleranz begegnet sind. Ich habe gelächelt und habe gesagt: "Tschuldigung. Das andere Klo ist kaputt." Niemals sind mir indiskrete Fragen nach meiner sexuellen Identität gestellt worden. Frauen sind schon okay in solchen Situationen.

Lena Rohrbach, eine Politikerin der Piratenpartei, sagt dazu: Wenn ein Mensch auf eine Toilette gehen muss, die seiner sexuellen Identität nicht entspricht, dann wird ihm suggeriert, dass er eigentlich nicht existieren dürfte. Ich finde, solch ein Mensch sollte eher daran denken, dass die staatlichen Mittel zum Bau von Toiletten begrenzt sind. Es ist kein persönlicher Angriff, es ist eher eine Etatfrage. Was kostet es denn, zu sagen: "Das andere Klo ist kaputt"? Diese kleine Notlüge würde doch nur zeigen, dass die Inter- und Transsexuellen Respekt und Toleranz für die Lage der kommunalen Haushalte aufbringen. Von Kennedy stammt der Spruch: "Frage nicht, was dein Land für dich tun kann, frage, was du für dein Land tun kannst." Das, was die deutschen Inter- und Transsexuellen für ihr Land tun können, lässt sich am besten in dem Satz "Das andere Klo ist kaputt" zusammenfassen.

Ich habe auch schon über meine sexuelle Identität gelogen. In Israel habe ich als junger Mensch immer gesagt, ich sei ein Schweizer Jude, weil man auf diesem Ticket viel leichter eine israelische Freundin bekommen hat. Ich war quasi ein Kryptosexueller. Da habe ich nie gedacht, dass ich als Deutscher eigentlich nicht existieren dürfte, im Gegenteil, ich fand das super. Man kann es auch schlecht kontrollieren. Wenn ein Typ in das Intersexuellenklo hineingeht und sagt: "Ich fühle mich als Frau" – wer soll das überprüfen? Und wie? Die Geschlechtsorgane geben ja nicht immer darüber Aufschluss, wie ein Mensch sich gerade fühlt. Man müsste ein intersexuelles Staatsexamen und eine Sexualkennkarte einführen, damit sich keiner, wie ich damals, eine Toleranz erschleichen kann, die ihm nicht zusteht. Bei der Piratenpartei ist es so, dass die Toiletten in der Geschäftsstelle gar nicht mehr gekennzeichnet werden, es gibt eine Toilette mit und eine Toilette ohne Urinal, und welche man benutzen möchte, stehend oder sitzend, soll man spielerisch ausprobieren. Das kommt mir unhygienisch vor. Aber ich will wirklich niemandes Gefühle verletzen.




Über eine umstrittene Band aus Südtirol und ....

Über eine umstrittene Band aus Südtirol und ehrenwerte Rapper

vom 21.03.2013

Harald Martenstein fragt sich, warum Frei.Wild vom Echo ausgeladen werden und Bushido schon so viele bekommen hat. Der sei doch noch viel schlimmer als Rainer Brüderle.

Ich bin ein alter Rock'n'Roller, wisst ihr. Deshalb habe ich mitgekriegt, dass sie eine rechtsradikale Band, die für den Musikpreis Echo nominiert war, wegen Rechtsradikalismus wieder ausgeladen haben. Diese Band heißt Frei.Wild und kommt aus Südtirol. Daraufhin habe ich mir auf den wichtigsten Internetseiten mal die wichtigsten Textbelege für den Rechtsradikalismus dieser Band angeschaut. Auf ZEIT ONLINE hieß es, die Band singe den Satz »Südtirol, wir tragen deine Fahne« und verwende Wörter wie »Helden« und »Volk«. Da war ich perplex, weil David Bowie doch Heroes gesungen hat und John Lennon Power to the People. Meiner Ansicht nach ist Lennon nie ein echter Nazi gewesen. Bowie, gut, der hat in Deutschland gelebt, aber doch nicht aus Liebe zu Adolf Hitler. Auf stern.de stand das Frei.Wild-Zitat: »Sprache, Brauchtum und Glaube sind Werte der Heimat. Ohne sie gehen wir unter.« Das könnte doch auch irgend so ein bedrohter Indianerstamm im Amazonasgebiet singen. Die Südtiroler sind ebenfalls eine Minderheit, die es nicht immer leicht gehabt hat. Zweiter Beweis für das Nazitum war der Satz: »Ich scheiße auf Gutmenschen und Moralapostel.« Sorry, für mich klingt das eher nach Heiner Lauterbach als nach Nazis. Nach Ansicht eines Extremismusexperten bedeuten diese Sätze aber eine »harte Absage an eine moderne Gesellschaft«. Das kapiere ich auch nicht. Wieso muss denn jeder für die moderne Gesellschaft sein? Ich schwöre bei der Fahne Südtirols, dass ich mich niemals piercen lasse, und ich trinke auch keinen Bubble-Tea, egal, wie modern es ist. Ein anderer Experte sagte auf ZEIT ONLINE, zu den Vorbildern der Naziband gehöre der Politiker Heinz Buschkowsky – der ist in der SPD! Wenn sogar die SPD schon faschistisch ist, Himmel, was bleibt dann noch übrig?

Offenbar soll man in der modernen Jugendmusik immer nur, Song für Song, das grüne Parteiprogramm vertonen. Ich habe mir natürlich nicht sämtliche Texte von Frei.Wild angeschaut, aber hey, die Ankläger werden doch hoffentlich in ihrer Anklage die härtesten Stellen bringen, oder? Was ich aber gemacht habe: Ich habe die Texte von früheren Echo-Gewinnern gelesen. Der Rapper Sido: »Ich hab keinen Bock auf Spasten.« Oder: »Michel Friedman – scheiße! Ich kann euch nicht leiden, nicht riechen. Ihr wart als Kinder schon scheiße.« Tut mir leid, da höre ich ein gewisses Ressentiment gegen Behinderte und Juden heraus. Aber der kriegt einen Kulturpreis.

Wobei man der Gerechtigkeit halber sagen muss, dass Bushido, Träger mehrerer Echos und eines Ehren-Bambis für Verdienste um die Integration, die härteren Texte hat. In der ersten Fassung dieser Kolumne hatte ich zwei Bushido-Zitate untergebracht. Nennt mich meinetwegen einen Nazi, aber im Vergleich zu dessen Texten finde ich die Zeile »Südtirol, wir tragen deine Fahne« eigentlich fast poetisch und old school. Daraufhin meldete sich die Redaktion. Die Bushido-Zitate stünden auf dem Index. Wenn ich das bringe, muss die ZEIT offenbar unterm Ladentisch verkauft werden.

Bushido sitzt in Talkshows, tritt mit Horst Seehofer auf, sein Leben wurde verfilmt. Kann das denn wirklich nur damit zusammenhängen, dass Bushido kein Südtiroler ist? Ich werde niemals kapieren, wieso Rainer Brüderle für den Satz »Sie können ein Dirndl ausfüllen« einen Shitstorm erntet, während Bushido mit tausendmal sexistischeren Sätzen einen Ehren-Bambi für Verdienste um die Integration bekommt. Die moderne Gesellschaft ist, bei aller Modernität, oft ein bisschen ungerecht. Darf man das so formulieren?

Über gefährliche Witze von Harald Martenstein vom

Über gefährliche Witze.
Von Harald Martenstein 16. Juli 2015

In England und den USA gibt es die schöne Tradition. Reden mit Scherzen zu würzen.
Die Scherze dürfen ruhig frech und ein wenig anzüglich sein.

Als der Nobelpreisträger Sir Tim Hunt in Südkorea vor jungen Wissenschaftlern gesprochen hat, begann er so:
Es ist seltsam, dass ein chauvinistisches Monster, wie ich, gefragt wurde, vor Wissenschaftlerinnen zu sprechen. Lassen sie mich von meinen Problemen mit Frauen erzählen. Drei Dinge passieren, wenn sie im Labor sind:
Du verliebst dich in sie, sie verlieben sich in Dich, und wenn du sie kritisierst, dann fangen sie an zu heulen. Vielleicht sollten wir getrennte Labore für Männer und Frauen einrichten? Spaß beiseite, ich bin beeindruckt von der wirtschaftlichen Entwicklung Koreas. Und Wissenschaftlerinnen spielen dabei zweifellos eine wichtige Rolle.
Wissenschaft braucht Frauen, und sie sollten Wissenschaft betreiben trotz all der Hindernisse und solcher Monster wie mir
."

Daraufhin brauch ein Shitstorm los wegen Sexismus.
Hunt wurde gezwungen als Wissenschaftler zurückzutreten, auch aus der Royal Society wurde er ausgestoßen.

Es hat ihm nichts genützt, dass er sich entschuldigt hat.

Als der Londoner Bürgermeister Boris Johnson sich vor ihn stellte und den „unerbittlichen Moloch politische Korrektheit“ anprangerte, wurde auch Johnson sofort bedroht.
Eine Abgeordnete sagte: „Johnson macht sich schuldig im Sinne des Antidiskriminierungsgesetzes.“

Hunt arbeitete übrigens in der Zellforschung, seine Forschungsergebnisse retten vielleicht Tausenden von krebskranken Frauen das Leben.

Jetzt ist er erledigt, Berufsverbot, und kann niemanden mehr retten.


Mich wundert, dass keiner die Parallelen zwischen diesem Fall und den Anschlägen auf Charlie Hebdo gesehen hat.
Natürlich ist es ein Unterschied, ob man Leute erschießt oder ob man sie nur beruflich vernichtet. Aber in beiden Fällen geht es darum, dass Menschen es nicht ertragen, wenn über etwas Scherze* gemacht wird, das sie für unantastbar halten.
Und in beiden Fällen wird mit äußerster Unbarmherzigkeit vorgegangen, um ein Klima der Angst zu schaffen.
Und die Akteure sind nicht „der“ Islam oder „der“ Feminismus, sondern radikale Gruppen.

Nein, noch deutlicher ist vielleicht die Parallele zum Amerika der McCarthy-Ära, als auf alles Linke eine Hexenjagd veranstaltet wurde und als jeder zum Kommunisten gestempelt wurde, der sich mit einem Buch von Bert Brecht erwischen ließ.

Warum gibt es gegen eine so offensichtliche Ungerechtigkeit wie im Fall Hunt in den Medien keinen sogenannten Aufschrei?

Der Fall berührt ja den Kern unseres Berufes, die Freiheit des Wortes.

Und dabei spielt es keine Rolle, ob man den Scherz von Hunt für dumm oder misslungen hält. Man kann nicht sagen, in Zukunft sind nur noch gute Witze erlaubt, schlechte sind verboten.

Wenn falsche Meinungen oder falsche Witze in Zukunft den sofortigen Jobverlust zur Folge haben, dann gibt es für freie Medien keine Basis mehr.

In der Zeit wird über die Glaubwürdigkeitskrise der Medien diskutiert. Ich glaube, diese Krise hängt auch mit solchen Fällen zusammen.

Wenn wieder mal ein Shitstorm tobt, dann heulen zu viele von uns mit den Wölfen, statt den Bedrängten beizustehen, unabhängig davon, ob man ihre Ansicht teilt oder nicht.

Wir verteidigen unsere Werte nicht, wir haben die Hosen voll, aber ich vermute, dass die meisten unserer Leserinnen und Leser etwas mehr Mut von uns erwarten.

Der Forscher Hunt, dem die Menschheit manches verdankt, ist erledigt.
Wer ist der oder die Nächste?
Ende der Artikeles


* Es war kein Scherz! Hunt hat nur die Wahrheit gesagt!!!

Welcher dieser Antidiskriminierungsbeauftragten will sich im Nachhein sagen lassen, dass sie vorschnell und unüberlegt gehandelt haben mit der extremsten alles Auswirkungen: Der Diskriminierung von Tim Hunt?

Wer schützt uns von Antidiskriminierungsbeauftragten und dem Antidiskriminierungsgesetz?

Sollen/wollen wir uns von Antidiskriminierungsbeauftragten auch noch das "Wahrheit sagen" verbieten lassen?

Nur, was kann man anders von Antidiskriminierungsbeauftragten erwarten?

Ich denke, da sind diese schwer überfordert!!! - denn unsere "wissenwiedergebenden" Philosophen sind auch nicht in der Lage hier Klarheit (durch DENKEN und NACHDENKEN) zu schaffen.

Deshalb mein Appell an die Philosophen: Fangt endlich an zu DENKEN !!!!!!!!!!!


Diesen Artikel von Harald Martenstein "Über gefährliche Witze" findest Du auch unter der Nr. 310

Über einen neuen Friseur und ein moralisches ...


Über einen neuen Friseur und ein moralisches Dilemma


ZEITmagazin Nr. 37/2015 29. September 2015

Ich traf einen Freund. Er erzählte, dass er mit seinen Kindern seit Jahren zu einem bestimmten Friseur gegangen ist, einem kleinen Laden mit zwei, drei Angestellten. Der Friseur nahm 10 Euro. Jetzt habe er auf 15 Euro erhöht, wegen des Mindestlohns.

"Ist doch okay", sagte ich.

"Ein paar Meter weiter hat allerdings ein neuer Friseur aufgemacht. Er ist ein Flüchtling aus Syrien. Er hat keine Angestellten, schneidet alle selbst und nimmt 10 Euro. Der Syrer ist nett und auch sehr gut. Also gehen wir jetzt zu ihm."

Es sei ein komisches Gefühl, wenn er an dem anderen Salon vorbeigehe, in dem weniger los sei als früher. Der deutsche Friseur sei ja auch nett und gut gewesen. Er frage sich, sagte der Freund, ob der deutsche Friseur jetzt ausländerfeindliche Gedanken hege. "Verstehen könnte ich es", sagte der Freund. "Es wäre falsch, es ist abzulehnen, aber es wäre menschlich nachvollziehbar. Möglicherweise muss er den Laden zumachen, wenn noch mehr Konkurrenz kommt. Ihn zu fragen, was er denkt, traue ich mich nicht."

Wir erschraken vor der Erkenntnis, dass es vermutlich tatsächlich Leute gibt, die aufgrund des Flüchtlingsstroms etwas verlieren. Es wird wohl so sein. Arbeitet dieser Gedanke nicht den Rechtsradikalen in die Hände? In der DDR hieß es: Bestimmte Gedanken darfst du nicht gar nicht erst denken, weil diese Gedanken dem Feind nützen.

Dann unterhielten wir uns über die Kulturszene und die Medienszene, unser Milieu. Es ist ja eine Tatsache, dass auch in unserem Milieu auf den Verlust von Geld, von Privilegien oder von Stellen in der Regel mit Verärgerung reagiert wird, auch in diesem Fall: verständlicherweise. Wenn irgendwo ein Theater dichtgemacht wird, verbreitet die Theaterszene sogar manchmal eine regelrechte Weltuntergangsstimmung. Dann tobt sie vor Wut. Was würde passieren, wenn in Berlin eine Oper geschlossen wird oder die Akademie der Künste, mit der Begründung, wir verwenden das Geld lieber für Flüchtlinge, die haben es nötiger? "Das werden sie nicht machen", sagte ich.

"Nein", sagte er. "Das machen sie nicht. Die Flüchtlinge sind nur eine Bedrohung für die kleinen Leute, die keine so tolle Ausbildung haben. Da findet ein Konkurrenzkampf zwischen zwei Gruppen statt, die beide, auf unterschiedliche Weise, die Arschkarte gezogen haben. Die Artikel und die Fernsehsendungen werden allerdings ausschließlich von Leuten gemacht, für die es vorerst keinerlei Bedrohung ihres Lebensstandards durch die Flüchtlinge gibt. Wenn morgen der kleine Friseur auf einer Demo auftaucht und rechte Parolen ruft, ist er in den Medien der Satan, aber in Wirklichkeit ist er eher ein armer Teufel. Oder er ist beides gleichzeitig. Kein Wunder, dass solche Leute oft einen Hass auf die Medien haben."

"Dann geh doch wieder zu dem deutschen Friseur. Tu was gegen Ausländerfeindlichkeit, indem du deinen Kindern für 15 Euro von einem Deutschen die Haare schneiden lässt."

"Und was wird dann aus dem Syrer?"
Über einen neuen Friseur und ein moralisches ...
"Du könntest ein Kind zu dem Deutschen schicken und ein Kind zu dem Syrer." Der Freund schüttelte den Kopf. Stimmt, er hat fünf Kinder. Da gibt es keine einfache Lösung. Aber immer, wenn ich Reportagen lese oder sehe, in denen die einen nur Opfer sind und die anderen nur Täter, denke ich, so ist das Leben doch meistens nicht, in Wirklichkeit ist es doch meistens komplizierter.

"Vielleicht irre ich mich", sagte der Freund. "Vielleicht hängt der deutsche Friseur morgen ein Schild mit der Aufschrift ›Refugees welcome‹ ins Fenster."

Dann wäre er natürlich ein viel größerer Held als jeder Fernsehmoderator, dem bei Flüchtlingsbildern vor der Kamera die Tränen kommen.

Es ist einfacher, ein guter Mensch zu sein, wenn man dabei nichts zu verlieren hat.


Über Frauenbilder in der Werbung

Über Frauen in der Werbung Von Harald Martenstein

ZEITmagazin Nr. 18/2015 19. Mai 2015

In Berlin-Kreuzberg soll sexistische und frauenfeindliche Werbung verboten werden. So wurde es vom Bezirksparlament, grüne Mehrheit, vor einiger Zeit beschlossen. Sie können es nur auf den Werbeflächen verbieten, die dem Bezirk gehören. Aber was genau ist "frauenfeindliche Werbung"? Um dies herauszufinden, haben sie eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen.

Die Arbeitsgruppe fordert unter anderem, dass keine Frauen mehr gezeigt werden dürfen, die "körperbetont gekleidet und ohne Anlass lächelnd inszeniert" sind, während der Mann "bequem gekleidet ist". Es sollen auch auf bezirklichen Werbeflächen nie wieder Bilder von Frauen zu sehen sein, die "mit großer Freude im Haushalt beschäftigt" sind. Außerdem sollen Frauen nicht mehr als "dumm" oder "naiv" dargestellt werden. Wenn in Kreuzberg ein naiver Mensch auf einem Plakat zu sehen ist, dann muss es sich um einen Mann handeln, sonst gibt es Probleme. Bilder von Charlie Chaplin als Tramp darf man noch zeigen, auch den Herrn Hoppenstedt von Loriot. Bilder von Marilyn Monroe oder von Verona Pooth auf gar keinen Fall, zumal beide ihren Körper "betont bekleiden". Eine Frau aus der Arbeitsgruppe sagt: "Wir sind gegen die Stigmatisierung von Frauen als schwache Menschen."
Anzeige

Das alles wird im Einzelfall schwierig zu entscheiden sein. Wie verhält sich das Bezirksamt, wenn auf dem Plakat eine muskelbepackte Frau zu sehen ist, die mit dem Vorschlaghammer ihr altes Auto zertrümmert, und druntersteht: "Ihren neuen Wagen findet sie im Autohaus Schulze"? Die Frau ist als ein starker Mensch dargestellt. Andererseits ist es dumm, ein altes Auto zu zertrümmern, statt es gebraucht zu verkaufen. Jeder Betrachter wird denken: "Diese Frau ist dumm. Die Karre hätte noch locker 1.000 Euro gebracht."

Besonders schade fände ich es, wenn anlassloses Lächeln verboten wird. Ich freue mich immer, wenn jemand mich anlächelt, egal, was die Person anhat. Das ist doch schön. Jedes Verbot einer schönen Sache ist wie ein kleiner Tod. Und wie wollen die eigentlich herausfinden, ob das Lächeln nicht vielleicht doch einen Anlass hat? Vielleicht denkt die Frau auf dem Plakat gerade an das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg.

Von männerfeindlicher Werbung ist höchstens am Rande die Rede. Männer halten offenbar Sexismus eher aus als Frauen, warum? Weil sie so stark sind. Das hat Vorteile für uns Männer. Wir dürfen lächeln, wo und wann wir wollen, auch beim Geschirrspülen in Badehose, und keine Bezirksrätin darf uns fragen, warum. Die Frau dagegen braucht angeblich Naturschutzgesetze, ähnlich wie die Pandabären. Das Bezirksamt Kreuzberg stigmatisiert Frauen als schwache Menschen und müsste, nach seinen eigenen Kriterien, verboten werden.

Immer wenn ich über solche Sachen schreibe, muss ich an früher denken. Früher sind solche Verbotsforderungen von der katholischen Kirche gekommen. Da ging es auch oft um Sitte und Anstand, sie wollten Filme von Ingmar Bergman oder Herbert Achternbusch verbieten. Ich war dagegen und wurde als linke Sau beschimpft. Heute schreibe ich exakt das Gleiche wie vor dreißig Jahren, nur habe ich mich offenbar von einer linken Sau in eine reaktionäre Sau verwandelt. Der Unterschied zu damals besteht darin, dass damals fast alle Intellektuellen die Freiheit verteidigt haben, einschließlich der Freiheit, dumm zu sein und sich dabei fotografieren zu lassen. Sie wollen das Lächeln verbieten? Für mich klingt das nach George Orwell, 1984.

Diesen Artikel werde ich auch unter meiner Nr. 305 „Der Gleichstellungswahn der orientierungslosen Gleichstellungsbeauftragten“ veröffentlichen.

Über einen neuen Friseur und ein moralisches ...

Über einen neuen Friseur und ein moralisches Dilemma

Von Harald Martenstein. ZEITmagazin Nr. 37/2015 vom 29. September 2015

Ich traf einen Freund. Er erzählte, dass er mit seinen Kindern seit Jahren zu einem bestimmten Friseur gegangen ist, einem kleinen Laden mit zwei, drei Angestellten. Der Friseur nahm 10 Euro. Jetzt habe er auf 15 Euro erhöht, wegen des Mindestlohns.

"Ist doch okay", sagte ich.

"Ein paar Meter weiter hat allerdings ein neuer Friseur aufgemacht. Er ist ein Flüchtling aus Syrien. Er hat keine Angestellten, schneidet alle selbst und nimmt 10 Euro. Der Syrer ist nett und auch sehr gut. Also gehen wir jetzt zu ihm."

Es sei ein komisches Gefühl, wenn er an dem anderen Salon vorbeigehe, in dem weniger los sei als früher. Der deutsche Friseur sei ja auch nett und gut gewesen. Er frage sich, sagte der Freund, ob der deutsche Friseur jetzt ausländerfeindliche Gedanken hege. "Verstehen könnte ich es", sagte der Freund. "Es wäre falsch, es ist abzulehnen, aber es wäre menschlich nachvollziehbar. Möglicherweise muss er den Laden zumachen, wenn noch mehr Konkurrenz kommt. Ihn zu fragen, was er denkt, traue ich mich nicht."

Wir erschraken vor der Erkenntnis, dass es vermutlich tatsächlich Leute gibt, die aufgrund des Flüchtlingsstroms etwas verlieren. Es wird wohl so sein. Arbeitet dieser Gedanke nicht den Rechtsradikalen in die Hände? In der DDR hieß es: Bestimmte Gedanken darfst du nicht gar nicht erst denken, weil diese Gedanken dem Feind nützen.

Dann unterhielten wir uns über die Kulturszene und die Medienszene, unser Milieu. Es ist ja eine Tatsache, dass auch in unserem Milieu auf den Verlust von Geld, von Privilegien oder von Stellen in der Regel mit Verärgerung reagiert wird, auch in diesem Fall: verständlicherweise. Wenn irgendwo ein Theater dichtgemacht wird, verbreitet die Theaterszene sogar manchmal eine regelrechte Weltuntergangsstimmung. Dann tobt sie vor Wut. Was würde passieren, wenn in Berlin eine Oper geschlossen wird oder die Akademie der Künste, mit der Begründung, wir verwenden das Geld lieber für Flüchtlinge, die haben es nötiger? "Das werden sie nicht machen", sagte ich.

"Nein", sagte er. "Das machen sie nicht. Die Flüchtlinge sind nur eine Bedrohung für die kleinen Leute, die keine so tolle Ausbildung haben. Da findet ein Konkurrenzkampf zwischen zwei Gruppen statt, die beide, auf unterschiedliche Weise, die Arschkarte gezogen haben. Die Artikel und die Fernsehsendungen werden allerdings ausschließlich von Leuten gemacht, für die es vorerst keinerlei Bedrohung ihres Lebensstandards durch die Flüchtlinge gibt. Wenn morgen der kleine Friseur auf einer Demo auftaucht und rechte Parolen ruft, ist er in den Medien der Satan, aber in Wirklichkeit ist er eher ein armer Teufel. Oder er ist beides gleichzeitig. Kein Wunder, dass solche Leute oft einen Hass auf die Medien haben."

"Dann geh doch wieder zu dem deutschen Friseur. Tu was gegen Ausländerfeindlichkeit, indem du deinen Kindern für 15 Euro von einem Deutschen die Haare schneiden lässt."

"Und was wird dann aus dem Syrer?"

"Du könntest ein Kind zu dem Deutschen schicken und ein Kind zu dem Syrer." Der Freund schüttelte den Kopf. Stimmt, er hat fünf Kinder. Da gibt es keine einfache Lösung. Aber immer, wenn ich Reportagen lese oder sehe, in denen die einen nur Opfer sind und die anderen nur Täter, denke ich, so ist das Leben doch meistens nicht, in Wirklichkeit ist es doch meistens komplizierter.

"Vielleicht irre ich mich", sagte der Freund. "Vielleicht hängt der deutsche Friseur morgen ein Schild mit der Aufschrift ›Refugees welcome‹ ins Fenster."

Dann wäre er natürlich ein viel größerer Held als jeder Fernsehmoderator, dem bei Flüchtlingsbildern vor der Kamera die Tränen kommen. Es ist einfacher, ein guter Mensch zu sein, wenn man dabei nichts zu verlieren hat.

Ehrlichkeit bei Bewerbungsgesprächen

Über die Unmöglichkeit, Schwächen zuzugeben. Von Harald Martenstein

Untertitel: Ehrlichkeit bei Bewerbungsgesprächen

ZEITmagazin Nr. 39/2015 vom 13. Oktober 2015

Wie ich dem Internet entnehme, gibt es im Englischen seit ein paar Jahren ein neues Wort für eine unangenehme Eigenschaft, das Wort heißt humblebragging. Es setzt sich aus humble zusammen, was "bescheiden" heißt, und aus to brag, angeben.

Auf Deutsch könnte man vielleicht "leidprahlen" sagen. Ein Leidprahler lebt auf der Sonnenseite, aber er tut so, als ob es ihm mies gehe.

"Ich habe all die Jahre wahnsinnig unter dem Leistungsdruck und der ständigen Überforderung gelitten, im Grunde hätte ich als Lehrer ein erfüllteres Leben gehabt" – falls Thomas Gottschalk so einen Satz sagen würde, dann wäre dies humblebragging.

Eine Studie belegt angeblich, dass die meisten Leute einen ehrlichen Angeber sympathischer finden als einen Leidprahler. Ein in sich ruhendes Großmaul findet man immer noch besser als einen pseudobescheidenen Heuchler. Die Beliebtheit des US-Präsidentschaftsbewerbers Donald Trump spricht ja auch für diese These.

In der Studie des Forschertrios Sezer, Gino und Norton wird auch die Frage "Was sind Ihre größten Schwächen?" analysiert, diese Frage wird gern in Bewerbungsgesprächen gestellt. Die am häufigsten gegebene Antwort lautet: "Meine größte Schwäche ist, dass ich so perfektionistisch bin." Dies sagten in der Versuchsgruppe 33 Prozent. 25 Prozent gaben als größte Schwäche an, dass sie immer viel zu hart arbeiten. 15 Prozent sagten, sie seien zu nett.
Das heißt, die Leute nennen eine Stärke, die sie aber heuchlerisch als Schwäche ausgeben.

Andererseits, dachte ich mir, was sollen die Leute im Bewerbungsgespräch denn sonst antworten?
Sollen sie ehrlich sein? "Ich bin schon manchmal ein bisschen faul"?

Bei mindestens 33 Prozent der Bewerber würde das sicher zutreffen, und vielleicht sind das gar nicht mal die schlechtesten Mitarbeiter.

Wenn ich als Personalchef die Wahl hätte zwischen einem der 33 Prozent Faulen und einer Person aus dem 25-Prozent-Pool, die wahrheitsgemäß sagen: "Ich bin ein intrigantes Schwein", oder aber einem von den 15 Prozent, die ehrlich zugeben: "Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist leider mein Hobby", dann würde ich im Interesse des Betriebsfriedens einen von den Faulen nehmen.

Ich kenne viele faule Menschen, die in ihren wenigen aktiven Momenten echt gute Sachen machen.

Falls ich jemals im Leben noch mal ein Bewerbungsgespräch absolvieren muss, und ich werde nach meiner größten Schwäche gefragt, dann werde ich antworten: "Meine größte Schwäche ist, dass ich auf blöde Fragen keine Antwort gebe." Ich würde, als Personalchef, so jemanden einstellen.

Als ich dann noch mal die Liste mit den beliebtesten Antworten las, ist mir doch ein bisschen schwummrig geworden. Im Grunde trifft das meiner Meinung nach alles total auf mich zu. Ja, ich bin perfektionistisch, gewiss, ich arbeite zu viel, und, dies vor allem, ich bin zu nett. Vielleicht irre ich mich. In Wirklichkeit bin ich vielleicht ein fauler Schluri und ein Ekelpaket, aber wer gibt das denn vor sich selbst zu?

Das heißt, die vermeintlichen Bewerbungsgesprächsheuchler und die Leidprahler sagen in Wirklichkeit nur das, was sie für die Wahrheit halten.

Um ehrlich zu wirken, müssten sie lügen.

Sie sollten herausfinden, was ihr Gegenüber für ihre Schwäche hält, diese Schwäche sollten sie zum Schein zugeben.

Was für eine durch und durch verdorbene und verkommene Welt dies doch ist!

Was hat ein netter Junge wie ich auf diesem Planeten überhaupt verloren?
Ich jammere gern. Das ist auch eine Schwäche.

Über Ehrlichkeit in der Öffentlichkeit.

Über Ehrlichkeit in der Öffentlichkeit. Von Harald Martenstein

ZEITmagazin Nr. 31/2015 vom 18. August 2015


Monica Lierhaus hat erzählt, wie sie sich als Behinderte wirklich fühlt. Sofort hagelte es böse Kommentare.
Müssen wie in Zukunft unsere Gefühle einer Norm anpassen?

Die frühere Sportreporterin Monica Lierhaus ist behindert. Sie hat eine Gehirnoperation machen lassen, dabei ging etwas schief. Ohne die Operation wäre sie wahrscheinlich gestorben.
In einem Interview hat sie gesagt, dass sie, wenn sie die Zeit zurückdrehen könnte, auf diese Operation verzichten würde. Dann wäre sie heute tot, oder? Dazu sagt Monica Lierhaus: "Egal. Dann wäre mir vieles erspart geblieben."

Wenn ich so etwas lese, also, wenn ein Mensch ehrlich zu sein scheint und ungeschützt redet, dann weiß ich schon vorher, was passieren wird.

Einige Zitate aus dem Internet gefällig?
"Sie stellt das Leben von Menschen mit Behinderung infrage." – "Sie zeichnet ein falsches Bild." – "Sie wertet das Leben von Behinderten ab."
Und natürlich darf die Mutter aller Internetkommentare nicht fehlen – diese Formulierung finden Sie im Netz unter so gut wie jedem Text, der in irgendeiner Weise von Belang ist. Sie lautet: "Einfach armselig."

Wenn ich irgendwo Chef wäre, würde ich eine Rubrik mit dem Titel "Leute verteidigen" einführen.
In jeder Ausgabe müsste ein Mensch gegen diese Art von Dreck verteidigt werden, gegen dieses "Einfach armselig".

Lierhaus redet über sich, über ihre Verzweiflung, und das ist halt etwas anderes als ein Kirchentagserbauungsartikel. Irgendwo habe ich dieses hübsche Wort gelesen, Kirchentagserbauungsartikel. Ich habe keine Ahnung davon, wie es ist, behindert zu sein. Aber schön ist es bestimmt nicht. Man braucht Mut, Kraft und Optimismus, vermute ich, und von diesen Eigenschaften hat nicht jeder genug. Jeder Mensch ist anders.

Der eine Behinderte verbittet sich Mitleid, der oder die andere will in den Arm genommen und getröstet werden, und keiner dieser Wünsche ist richtig oder falsch.

Müssen wir in Zukunft unsere Gefühle einer Norm anpassen?



Wenn Leute auf die Frage "Wie geht es Ihnen?" nicht die Wahrheit antworten dürfen, wenn sie lügen sollen, alles prima, alles supi, dann haben wir es mit einer durch und durch verlogenen Gesellschaft zu tun.
In diese Richtung bewegen wir uns.
Siehe dazu die Nr. 183a: "Wenn Gesetze Menschen dazu bringen zu lügen, dann ist es das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben stehen."

Im Fernsehen wird pausenlos zur Toleranz aufgerufen.
Aber damit ist in der Regel nicht die Toleranz mit denen gemeint, die, wie Monica Lierhaus, "ein falsches Bild zeichnen".
Die Intimitätsgrenzen existieren nicht mehr, die Leute gehen zu Big Brother und stellen ihre privaten Pornos ins Netz, das ist okay.

Aber wenn eine Frau sagt, dass sie lieber tot wäre, dann muss sie über sich lesen, sie sei "einfach armselig".

Also, ich war voll dabei, mich aufzuregen, als ich im Internet auf diesen Kommentar stieß, einen guten Kommentar.
"Ich frage mich, woher diese große Sehnsucht kommt, anderen Menschen vorzuschreiben, was sie zu denken und zu sprechen haben. Ist es nicht eine notwendige Voraussetzung für einen gesellschaftlichen Diskurs, dass Menschen ehrlich ihre persönliche Sichtweise äußern, ohne sich darum zu scheren, ob sie nun die Agenda von anderen Menschen untergräbt? Kann man sich wirklich wünschen, dass abweichende Meinungen nicht mehr öffentlich geäußert werden?"
Ja, wie ist dieser Dämon auf die Welt gekommen? Ich glaube, den gab es schon immer.

In jedem steckt ein Diktator, auch in mir.
Ich habe auch schon Leute fertiggemacht.

Wir sind frei und nutzen unsere Freiheit, um andere zu unterdrücken, ist das die traurige Wahrheit?

In meinen düstersten Momenten bin ich wirklich für die Wiedereinführung der absoluten Monarchie.

Ich bin einfach armselig.

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