Ulrich H. Rose vom 02.06.2016

Das Prinzip, das hinter "Dreck zu Dreck" steckt, ist:
- Verwahrlosung
- Wehret den Anfängen
- Schlamperei
- keine Prinzipien
- keine Ordnung
- keine Anstrengung
- primitives Verhalten
- Massenphänomene
- das Ausweiten von Grenzen

Der folgende Abschnitt wurde erst mal heute, am 02.06.2016, von der Nr. 339 "Jan Böhmermann - selbst ein Despot" hier reinkopiert.
Eine detailliertere Ausarbeitung von "Dreck zu Dreck" wird später erfolgen.


Welchem Grundprinzip folgt die Masse Mensch hier in Deutschland (und auch anderswo) unbewusst seit ca. 70 Jahren = nach dem letzten, großen Weltkrieg?

Die Masse Mensch meint immer gescheiter zu sein, weil sie immer gescheiter wird.

Nebenbei und kaum bemerkt erzieht sie - die Masse Mensch - ihre Kinder immer "freier".

Die ersten Auswirkungen der antiautoritären Erziehung auf die Gesellschaft waren die 68er und die Baader-Meinhof - Gruppe.

Den Freiheitsgedanken nach dem 3. Reich besonders auszuleben - nach langen Jahren der extremen Unfreiheit, das ist aus heutiger Sicht nachvollziehbar. Haben wir daraus gelernt? NEIN!

Was ging schief bei der Erziehung derjenigen Kinder, die das Establishment zerbomben wollten (Kaufhaus-Bomben)?

Die = meine Antwort, die ich schon seit den 80er-Jahren von mir gebe:
Freie Erziehung - ohne Grenzen aufzuzeigen, das ist ein Verbrechen an den Kindern begehen!
Und wer hat in den darauf folgenden Jahren - trotz dieser Erkenntnisse - weitergemacht? Die Psychologen!

Heute beginnen einige Psychologen zurückzurudern, weil sie mittlerweile erkennen,
dass das Nachgeben, dass das freie Erziehen zu noch mehr "Unfreiheiten" bei den Kindern und den späteren Erwachsenen führt.

Wer als Kind keine Grenzen aufgezeigt bekommen hat, der hat als Erwachsener keine Grenzen.
Sieh Dir die führenden Köpfe der Baader-Meinhof - Gruppe mal genauer an.
Woher, aus welcher sozialen Schicht kamen sie?

Woher kamen Andreas Baader * 1943, Ulrike Meinhof * 1934, Gudrun Ensslin * 1940, Horst Mahler * 1936?

Baader's Vater, Dr. Berndt Phillipp Baader, war Historiker
Meinhof's Vater, Werner Meinhof, war Kunsthistoriker
Enslin's Vater, Helmut Enslein, war evangelischen Pastor
Mahler's Vater, Willy Mahler, war Zahnarzt



Und schon sind wir bei Jan Böhmermann.

Bei 1LIVE, einem Hörfunksender des Westdeutschen Rundfunks, erfand Böhmermann 2005 die Unterhaltungsreihe Lukas’ Tagebuch, die auf Lukas Podolski abzielte. Klagen von Lukas Podolski gegen Jan Böhmermann wegen Unterlassung wurden vom Landgericht München zurückgewiesen.

Ich fand es schon immer äußerst primitiv, wenn Moderatoren, die auch meinten Satiriker zu sein, sich gegen vermeintlich schwächere und vermeintlich Dümmere ausließen.


Terror = Gewalt gegen die eigene Gesellschaft

Satire = Sprachliche Gewalt = sprachliche Beleidigungen

Wo sind die Grenzen?

Es gibt bei vielen Menschen scheinbar keine Grenzen
- des guten Geschmacks
- des Anstandes.



Eine antiautoritäre Erziehung bewirkt meistens das Gegenteil, grenzenlose Menschen,
die nicht erwachsen werden und dann als Erwachsene diese Grenzen überschreiten,
um ihre Grenzen dann per Gesetz aufgezeigt zu bekommen.




Im 1. Fall richtete sich der Terror der Baader-Meinhof - Gruppe nach deren Vorbild, den Tupamaros, einer Guerillabewegung in Uruguay, aus.
Die Grenzen der Baader-Meinhof - Gruppe wurden ihnen durch das Grundgesetzt aufgezeigt.

Im 2. Fall richtete sich der geistige Terror von Jan Böhmermann - unter dem Deckmantel der Satire - gegen Lukas Podolski aus, der sich dagegen kaum bis nicht wehren konnte. Lediglich Interview-Wünschen des ARD kam Lukas Podolski damals nicht nach.
Nun hat sich Jan Böhmermann mit Erdogan einen mächtigeren Gegner ausgewählt.
Dass die Macht von Erdogan dem Jan Böhmermann die Grenzen aufzeigt, auch die Grenzen der Satire, das finde ich mehr als gut - auch wenn Erdogan keine "weiße Weste" hat und gewiss in der Sache kritisiert gehört. Nur, das ist ein anderes Thema.
Die Grenzen des Jan Böhmermann werden ihm hoffentlich durch das Grundgesetzt aufgezeigt.



Jetzt noch zur besten Fragestellung der Welt "Was wäre wenn ...":

Was wäre, wenn der Baader-Meinhoff - Gruppe die Grenzen nicht durch das Grundgesetzt aufgezeigt worden wären?
Wir hätten Anarchie in Deutschland gehabt!

Was wäre, wenn dem Jan Böhmermann die Grenzen nicht durch das Grundgesetzt aufgezeigt würden?
Unter dem Deckmantel der Satire würden zukünftig weitere Beleidigungen und noch schlimmere Beleidigungen verpackt.

Vergleichen wir mal Erdogan mit Jan Böhmermann und in Bezug nehmend zur Überschrift „Jan Böhmermann, selbst ein Despot?

Was wäre, wenn Jan Böhmermann keine Grenzen aufgezeigt bekommt?
Wie geht es weiter mit ihm?
Ich denke, er wird sich über die Zeit zu einem zweiten Erdogan entwickeln.

Was wäre, wenn Erdogan in der Türkei Grenzen aufgezeigt bekommen hätte?
Er wäre heute nicht so mächtig!

Frage an Dich:
Macht es Sinn Grenzen aufzuzeigen, dem Jan Böhmermann und auch dem Erdogan?

Nur, und das sei noch mal erwähnt, jeder sollte seine Grenzen dort aufgezeigt bekommen, wo es angebracht ist.
- Dem Jan Böhmermann mit seinem Sprachen-Terror.
- Dem Erdogan mit seinem Macht-Terror.

- Dem Peter Sloterdijk mit seinem rhetorisch vorgetragenen Machtanspruch über die Wort- und Sätzehoheit gegenüber Herfried Münkler, in einer Sache, wie der Flüchtlingsfrage mehr wissen zu wollen. (was ziemlich abwegig ist)
Nur, wer sollte dem Peter Sloterdijk seine Grenzen aufzeigen, wenn nicht Herfried Münkler selbst.
Nur, welcher Außenstehende begreift deren "Kampfsprache" und kann die Inhalte der Sätze beurteilen?
D.h., und das an Herfried Münkler gerichtet: Sei der Gescheitere, sei der Besonnenere und kommentiere den Schwachsinn von Peter Sloterdijk nicht (mehr)!


Jetzt noch abschließend auf den ersten Satz meines Kommentares zu kommen "Dreck zu Dreck":
Dahinter steht "Wehret den Anfängen!"
Oder: Wenn jemand seinen Abfall (Dreck) in die Landschaft wirft, dann sammelt sich dort in kuzer Zeit weiterer Abfall/Dreck an.
Nur massive Strafen und immer wieder das Aufzeigen von Grenzen - per Gesetz - halten die Menschen davon ab, ihre Grenzen immer wieder neu auszuloten.

Ulrich H. Rose
vom 23.05.2016

Dreck zu Dreck in Schwandorf:

Seit ca. 6 Monaten beobachte ich in Schwandorf, dass im Bahnhofsbereich nicht nur in den ausgewiesenen Raucherecken geraucht wird, sondern im gesamten Bahnhof. Und es wird immer schlimmer und die Raucher immer dreister.

In Amberg dagegen wird auch jetzt noch (Mai 2016) im Bahnhofsbereich nur an den ausgewiesenen Stellen geraucht.
Das soll nicht heißen, dass in Schwandorf wieder Amberger Zustände herrschen sollten.

Das soll heißen: Lernt daraus!

Verbietet das Rauchen generell,
und zur Hilfe für die armen, bedauernswerten, rauchenden Menschen:
Führt drakonische Strafen ein von 170.-€/Vergehen und setzt dies auch sofort und immer um!

Und, wem hilft so eine Maßnahme am meisten? -> Den Rauchern!!!!


Nachtrag am 02.06.2016:
Die schlimmsten, augenscheinlichsten und primitivsten Auswirkungen der Masse Raucher sind leider immer noch vor den Krankenhäusern zu sehen. Gerade im Eingangsbereich stehen und sitzen die bedauernswerten Raucher und zeigen auch noch sehr deutlich, wie minderbemittelt sie sind.
Leider wirkt diese Abschreckung nicht, andere Raucher von solchem Zurschaustellen extremster Dummheit davon abzuhalten, sich dazuzustellen.

Was für irrsinnig hohe Kosten müssen wir alle - als Solidargemeinschaft* - an Kosten aufbringen, um diese Gestalten auch noch - und immer wieder in den Krankenhäusern von den Folgen u.a. des Rauchens zu behandeln??? Nicht nur in Krankenhäusern, auch in allen öffentlichen Gebäuden muss das Rauchen - vor ALLEM zugunsten der armseligen und bedauernswerten Raucher - verboten werden. Denn - an die Vernunft (Nr. 321) der Raucher zu appelieren - das ist vergebebene Liebesmüh.

* Wer der Raucher versteht überhaupt das Wort Solidargemeinschaft richtig?
Warum sollen immer die Vernünftigen sich um die Dummen unter uns annehmen und sich mit diesen Gestalten solidarisch erklären?
Wäre es nicht angebrachter die Raucher in einer gesonderten "Solidargemeinschaft" unterzubringen, damit sie sich gegenseitig stützen in ihren Dummheit?

Die Antwort darauf:
Einem "dummen Raucher"* etwas an Vernunft zu unterstellen, das führt zu NICHTS. Das bedeutet, man muss den Rauchern das Rauchen verbieten. Noch besser: Die Produktion von Zigaretten etc. verbieten. Anders geht es leider nicht!
* Einen "intelligenten Raucher", den gibt es nicht, denn wenn der Raucher intelligent wäre, dann würde er nicht rauchen.
Ein "intelligenter Raucher", das ist ein Paradoxon in sich. Demzufolge sind alle Raucher als minderbemittelt zu bezeichnen und ihr Solidarverhalten als fragwürdig zu bezeichnen.

Oder hast Du einen anderen und zielführenden Vorschlag, damit der bedauernswerten, minderbemittelten Masse Raucher verständlich gemacht werden kann, dass das Rauchen schädlich ist?

Dieselgate und Raucher:

Nachtrag am 18.08.2017: Aktuell sprechen alle wegen "Dieselgate" von Diesel-Fahrverboten, besonders in der Autostadt Stuttgart. Diese hohe Feinstaubbelastung an besonderen Stellen in Stuttgart wird locker von den Feinstaubbelastungen übertroffen, denen sich die minderbemittelten Raucher freiwillig aussetzen.
Meine Ideen dazu:

Möglichkeit 1: Alle Raucher nach Stuttgart und Deckel drauf, damit das Umland nicht belästigt wird. Dieselfahrzeuge sind dann in Stuttgart keine unzumutbare Belastung mehr, da ja dort Raucher vegetieren.

Möglichkeit 2: Die Feinstaubbelastungen politisch ernst nehmen - zum Wohle der Bürger denken - und notwendige Maßnahmen ergreifen, wie Dieselfahrzeuge nachrüsten und das Rauchen verbieten. Ich befürchte, dass die Politiker nicht an die Gesundheit der Menschen denken werden, d.h., dass sich Möglichkeit 1 abzeichnet.

Dazu, zu Möglichkeit 2, da habe ich noch einen ergänzenden Vorschlag zu machen: Da man sowieso gerade Röhren vom Zentrum in Stuttgart (Stuttgart 21) in das umliegende Umland, in die 155m höher gelegene Filderebene verlegt, schlage ich vor noch eine zusätzliche Röhre zu verlegen. In diese Röhre gehört ein großer Ventilator verbaut, der alle Schadstoffe nach oben ins Umland transportiert. Evtl. können auch die beiden bestehenden Bahn-Röhren für den Abtransport der besonderen Stuttgarter Luft genutzt werden. Ingenieure gibt es ja in Stuttgart genug, die solch eine kostengünstigere Lösung verwirklichen können! Durch die entstehende Sogwirkung in der Talmitte (Hbf) strömt dann frische Luft von den Rändern Stuttgarts in den Talkessel und die NOx-Werte am Neckartor sind dann auch wieder unter den Grenzwerten. So kommt auch der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann elegant um das Diesel-Fahrverbot herum. Was für ein Segen für die Autostadt Stuttgart und Daimler! Nur, was machen wir dann in München und anderen, ähnlich belasteten Großstädten, die keine "ungünstige" Kessellage haben? Und vor allem: Was machen wir mit den minderbemittelten Rauchern, die ja freiwillig die größere Feinstaubbelastung auszuhalten haben? Vor sich selbst schützen? Ende Nachtrag


Rauchen ist dumm. Um zu Rauchen ... Rauchen ist dumm. Um zu Rauchen muss die Voraussetzung von Dummheit (einem geringen IQ) erfüllt sein. Im Umkehrschluss die Frage an Dich: Wozu sollte ein intelligenter Mensch rauchen? Spruch von Ulrich H. Rose vom 10.11.2014


LINK zur Nr. 59 "Rauchen ist dumm"
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Ein Paradoxon "in sich": Der intelligente Raucher.

Ein Paradoxon "in sich": Der ... Ein Paradoxon "in sich": Der intelligente Raucher. Den intelligenten Raucher, den gibt es nicht und den kann es auch nicht geben. Warum das? Wäre ein Raucher intelligent, er würde ganz sicher nicht rauchen. Spruch von Ulrich H. Rose vom 02.06.2016

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Hier ein anspruchsvoller Beitrag von einem Don Alphonso vom 12.03.2009:

http://blogs.faz.net/stuetzen/2009/03/12/rilke_2c00_-voltaire-und-amok-137/

Rilke Voltaire und Amok

Ich persönlich glaube nicht, dass man etwas gemacht haben muss, um darüber reden zu können. Insofern beisst sich der Freund gepflegter Morde am Bildschirm, vulgo Ballerspiele, an mir die Zähne aus, wenn ich mir hier das Recht herausnehme zu erklären, warum ich absolut kein Problem hätte, wenn es den ganzen Dreck nicht gäbe. Oh. Sagte ich Dreck? Wie unfein. Trotzdem. Und ich möchte das nicht nur auf das Spiel, sondern auch die Hersteller, die Profiteure, die Süchtigen und die blöden Kicherer bezogen wissen.

Das Aggressionsverhalten ist noch nicht so weit gereift, dass es zum reinen Angriff kommt; dies geschieht erst viel später, wenn das Kind seiner selbst sicher und seiner körperlichen Fähigkeiten bewusst geworden ist.

Es gibt nach Amokläufen keine Vorfreisprechung, die sich im Internet, in Blogs und Foren so schnell verbreitet wie die Behauptung: Mit gewalttätigen Videospielen hat das natürlich nichts zu tun. Getrieben von der Ahnung, dass sich im Zimmer des Mörders wie bei so vielen anderen eine umfassende Sammlung an Gewaltverherrlichung in Ton, Bild und Waffen findet, wird vorbeugend klargestellt, dass man bei Videospielen wie Counterstrike auf Seiten der guten Polizei anderen aus dem Hinterhalt das Gehirn aus dem Kopf schießt, und dass es zentral um Strategie gehe, keinesfalls aber um das Vergnügen bei der Betrachtung mannigfaltig verstreuten Kadaver. Die Gemeinde der Spielfreunde ist sich da so sicher wie der NPD-Mann, dass die Hetzreden nicht zu Brandanschlägen führen, sie vertreten ihre Überzeugung wie der Spirituosenhersteller, der keinen Zusammenhang seiner Produkte mit Komasaufen erkennen kann. Journalisten, die dergleichen nie nächtelang gezockt haben, kennen sich ohnehin nicht aus.

Das stimmt. Ich habe keine Ahnung, wie das ist, nächtelang mit Freunden vor einem Rechner zu hängen und sich mit Bier und schlechtem Essen die Zeit über das Lösen von Tasks und sich in den Weg stellenden menschlichen Hindernissen – seien es nun bewaffnete Figuren aus dem Rechner oder genervte Eltern – zu vertreiben. Ich gehörte eher zu denen, die gern gelesen haben, und besitze keinen Fernseher und kein Videospiel. Ich pflege eine Bibliothek. Und weil ich so absolut keine Ahnung von all der modernen Lust an Mord und Totschlag habe, habe ich ein paar Fragen:

Warum legt kein Freund von Rainer Maria Rilke den Gedichtband weg, greift zur AK-47 und läuft Amok? Warum brechen höhere Töchter nicht die Triosonaten von Telemann ab, legen die Instrumente beiseite und erstechen ihre Mitschülerinnen? Ja, warum tendieren sogar Besucher eines Leistungskurses Deutsch nach dem Lesen der problematisch-mörderischen Stelle in den Verliesen des Vatikan von Andre Gide – der Held wirft grundlos einen Katholiken aus dem Zug – nicht dazu, in der Pause den Religionslehrer im Waschbecken des Lehrerklos zu ertränken? Warum werden trotz aller Gewalt in der alten Literatur nur Verbrechen begangen, deren Vorlagen Gewaltvideos und Ballerspiele sind? Kurz, warum sind Menschen, die den modernen Unterhaltungsangeboten mit extensiver Gewalt entsagen, andauernd nicht unter denen zu finden, die Massenmorde begehen?
Man mag, wenn man ab und an noch etwas anderes gelernt hat, als am Bildschirm mutierte Monster durch atomar verstrahlte Städte zu verfolgen, durchaus einwenden, dass es nicht immer so war, und nichts könnte das besser als all die jesuitische Literatur in meiner Bibliothek belegen, die dort neben Voltaire und Diderot auch zu finden ist, und die einen bedingungslosen Krieg mit allen Mitteln gegen Andersartige fordert. Ja, man kann mit Büchern Menschen zu Verbrechern machen und Nationen ins Unglück stürzen. Das allerdings ist in Mitteleuropa reichlich lange her, und sogar Taliban und Hisbollah setzen heute auf Youtube, MTV-Ästhetik und Videobotschaften.

Tatsächlich also bleibt da diese Frage: Warum metzelt niemand, der gerade Heines anzügliche Gedichte gelesen hat, ein Mädchen nieder, und warum erschießt jemand nach Monaten von Horrorvideos und Ballerspielen ihm vollkommen unbekannte Menschen mit zynischen Sprüchen? Warum greifen Waffennarren zu Waffen und Büchernarren nur zu Büchern? Wieso erscheint es uns so absurd, würde man annehmen, jemand würde nach der erfreulichen Lektüre von Schloss Gripsholm auch nur grundlos jemanden schlagen, und warum ist man so überhaupt nicht überrascht, wenn jemand nach einem Tag zocken sich auch im realen Leben nicht mehr angemessen zu benehmen weiß? Und wieso ist es nicht absurd, den Ballerspielen genau diesen Effekt abzusprechen?

Eine Frage kann ich mir jedoch sehr wohl beantworten: Lese ich vierzigmal ein Gedicht von Erich Mühsam, ist es mir ein Leichtes, ein Cafe aufzusuchen und einer Frau ins Ohr zu säuseln: „An der Dichter Niederlagen lässt der Dichter Lieder nagen.“ Ich übe es, es geht über, ich folge Mühsams Esprit und Koketterie nach, ich lerne von ihm das Warme und Freundliche, und lerne aus anderen Werken, dass es weise und erfolgversprechend ist, mich dergestalt einer Frau zu nähern. Angeblich jedoch soll es vollkommen absurd sein zu glauben, dass jemand Tage damit zubringt, Erfolgserlebnisse beim Abschlachten virtueller Gegner zu haben, sich damit vor seinen Artgenossen brüsten und vergleichen zu können, und dann dieser Welt als freundliche und angenehme Bereicherung erhalten bleibt, die das gelernte Töten auf keinen Fall, unter keinen Umständen jemals auch nur irgendwie fortführen würde. Das ist dann den Verteidigern des Ballerns immer etwas anderes, die Familie, die Schule, aber nicht, unter gar keinen Umständen eine verkommene Industrie mit zynischen Machern, die Milliarden mit dem Raubbau an einer zivilisatorischen Kruste verdient, die andere mit viel Mühe, Geld und Opfern aufgebaut haben.
Ich bin eigentlich sehr froh, in einer Epoche zu leben, in der die Gewalt zwischenzeitlich weit zurückgedrängt war. Ich mag die Vorstellung nicht, dass sie jetzt durch die Hintertür einer „Spieleindustrie“ wiederkommt, und den Umstand, dass sich zwischen Bücherlesern und Videospielern eine Kluft auftut – die einen lernen, Konflikte verbal zu lösen, die anderen, sie bestenfalls strategisch, schlimmstenfalls mit purer Gewalt anzugehen. Kulturgeschichtlich ist das ein klarer Rückschritt.
Ich mag es nicht, wenn unten eine Mama ihre Tochter bei der Schule abholt und auf ihrem Auto Werbung für einen Kickboxer ist, der Einsteigerkurse für „militärischen Nahkampf“ gibt. Ich bin reichlich froh, nach über anderthalb Jahrtausenden der privatisierten Gewalt und der täglichen Brutalität in einer Welt zu leben, in der klares Gewaltmonopol gibt. Niemand käme heute wieder auf die Idee, eines meiner jesuitischen Hetzstücke gegen Libertins in die Hand zu nehmen und mit Geistesgenossen einen Mob zu formen, um die Verbrennung der Bücher der Aufklärung und ihrer Autoren nachzuspielen – solange es kein Videospiel ist. Da geht das alles. Da kann man das problemlos haben, in allen Varianten, klare Feindbilder, antimoderne Mythen, jedes Schlachtfeld des zweiten Weltkriegs, so realistisch wie möglich, mit immer neuen, noch besseren, noch krasseren Sinneseindrücken, man stumpft schließlich ab nach dem 10. Gehirn an der Wand, also holt man sich eben den nächsten Kick, das nächste Level, auf dem Schulhof von den Kumpels oder vielleicht doch gleich superrealistisch in der Klasse. Pardon, ich wollte ja nicht polemisch werden. Aber solange niemand auf die Idee kommt, zwischen der Lektüre des Candide und dem Zadig grundlos seine Nächsten zu ermorden, möchte ich meine persönliche empfundene Abscheu für die Verteidiger und ihre platten Ausflüchte für den Dreck der Ballerspiele hier keinesfalls verhehlen.
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Dieser Beitrag von Don Alphonso passt natürlich auch idealerweise zur vorherigen Nr. 343 "Kultur + Killerspiele"

Weitere Domians = www.Definition-Intelligenz.de + www.Erkenntnis-Reich.de